Mittelalter-Handwerk

Leben und Handwerk im Mittelalter

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Leben und Handwerk im Mittelalter

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Leben und Handwerk im Mittelalter

A B CD EFG HIJKLM NOPQR STUVWZ

Hier finden Sie Berufe des Mittelalters und deren Bedeutung bzw. Herkunft mit den Buchstaben „H“, „K“ und „M“

 

Hebamme

Auch Wehemutter, Weißfrau

Die Hebamme ist die wichtigste Person bei Hausgeburten. Sie war den Pfarrern unterstellt und für den Bereich eines Kirchspieles zuständig. Sie musste verheiratet und bei einer erfahrenen Hebamme in die Lehre gegangen sein, sie brauchte aber keine Prüfung abzulegen. Neben der Geburtshilfe hatte die Hebamme Auskünfte über die Eltern einzuholen. Uneheliche Geburten mussten ebenso wie der Verdacht auf Kindestötung angezeigt werden. Bei Verhinderung des Pfarrers waren auch geistliche Dienste, wie zum Beispiel Nottaufen, zu leisten.

Während des 18. Jahrhunderts konnten Wundärzte nach zusätzlicher Ausbildung als Geburtshelfer approbiert werden. Sie machten sich das bisher den Frauen vorbehaltene Gebiet zu eigen und entwickelten chirurgische und geburtshilfliche Techniken. Auch heute verzichten Ärzte nicht auf die Hilfe erfahrener Hebammen.

 

Heftelmacher

Auch Gufener, Heftleinmacher, Nadelmacher, Noldener, Nuldener und Spener (Stecknadelmacher)

Nadler fertigten in vielen großen Städten nicht nur Näh-, Heft- und Stecknadeln für Hausfrauen und Schneider, sondern auch Spezialnadeln für andere Handwerksberufe: Bader und Barbiere, Beutler, Handschuhmacher und Nestler, Sattler und Schuster. Daneben produzierten sie auch Haken, Ketten, Ösen, Schnallen, Fliegenfenster, Vogelbauer und dergleichen. Nähnadeln stellte man aus Eisen- und Stahldraht her, Stecknadeln vorwiegend aus Messingdraht. In einem speziellen Ausglühverfahren wurden die Nadeln gehärtet und erhielten eine gewisse Elastizität. Durch Beizen und Scheuern wurde die Oberfläche geglättet. Seit 1804 wurden Nadeln in Großbetrieben hergestellt.

 

Hirten

Hirten wurden auf Zeit angestellt und bezahlt. Sie bekamen kleine gemeindeeigene Häuser oder Hütten zugewiesen. Da sie viel umherzogen, lassen sich Herkunft und Abstammung oft nur mühsam erschließen. In den Kirchenbüchern sind sie meist mit der lateinischen Berufsbezeichnung zu finden: pecuarius (Hirte), bergarius oder pastor ovium (Schafhirt), bublucus (Kuhhirt), opilio (Ziegenhirt), porcarius oder subulcus (Schweinehirt). Gänse und anderes Federvieh wurde von der Dorfjugend gehütet.

Der Besitz von Pferden blieb lange Zeit Rittern und Adeligen vorbehalten. Die Tiere wurden von Stallknechten gepflegt und gehütet.

 

Hüter

Auch Filter, Filzer, Hutaufstutzer, Hutmacher, Hüter, Huter, Hutschmucker, Loderer, Modist, Putzmacher

Hueter Zunftwappen

Hueter Zunftwappen

Filzermeister werden seit dem 14. Jahrhundert erwähnt. Huter sind aus dem Handwerk der Weber hervorgegangen. 2 bis 3 Jahre Lehrzeit und ebenso viele Jahre für die Wanderschaft waren dem Gesellen vorgeschrieben. Als Rohstoffe dienten Wolle, Hasen-, Kaninchen-, Otter- und Biberhaar. Das im Scheidewasser enthaltene Quecksilber und Arsen führte zu typischen Berufserkrankungen wie Gliederzittern und Lähmungen. Der Fachbogen wurde zum Schwingen gebracht, wodurch die Haare aufgewirbelt wurden. Durchgepeitscht bildeten die Haare eine flaumige Schicht, die durch Druck einen ersten Zusammenhalt bekam. Diese Masse wurde in eine dreieckige Form gebracht und weiter verdichtet, bis das eigentliche Filzen durch Feuchtigkeit, Wärme und Druck erfolgte. Durch Walken, Rollen und Bürsten wurde aus diesem Stumpen ein Hut geformt, der nun mehrfach gefärbt und getrocknet, nochmals gekocht und rein gestrichen, durch Leim gesteift und wasserdicht gemacht, wieder getrocknet, gebügelt und gebürstet wurde. Nun konnte das Futter eingenäht, die Krempe gesäumt und der Hut mit Bändern oder Federn gestaltet werden.

Putzmacher und Modisten fertigten für Damen feine Hüte aus Seide oder Tuch. Auch staffierten sie gewöhnliche Hüte mit Bändern und Federn aus. Als Rohstoffe dienten Wolle, Hasen-, Kaninchen-, Otter- und Biberhaar. Das im Scheidewasser enthaltene Quecksilber und Arsen führte zu typischen Berufserkrankungen wie Gliederzittern und Lähmungen. Der Fachbogen wurde zum Schwingen gebracht, wodurch die Haare aufgewirbelt wurden. Durchgepeitscht bildeten die Haare eine flaumige Schicht, die durch Druck einen ersten Zusammenhalt bekam. Diese Masse wurde in eine dreieckige Form gebracht und weiter verdichtet, bis das eigentliche Filzen durch Feuchtigkeit, Wärme und Druck erfolgte. Durch Walken, Rollen und Bürsten wurde aus diesem Stumpen ein Hut geformt, der nun mehrfach gefärbt und getrocknet, nochmals gekocht und rein gestrichen, durch Leim gesteift und wasserdicht gemacht, wieder getrocknet, gebügelt und gebürstet wurde. Nun konnte das Futter eingenäht, die Krempe gesäumt und der Hut mit Bändern oder Federn gestaltet werden.

 

Hufschmied

Auch Pferdeschmied

Neben dem Hufbeschlag hat der Hufschmied auch Beile, Sensen, Sicheln, Äxte und grobes Eisenzeug hergestellt. Er zählt neben dem Waffenschmied zu den ältesten Vertretern dieses Handwerks. Die Lehrzeit betrug 2 bis 3 Jahre, es bestand kein Wanderzwang. In Zentraleuropa erlebten Hufeisen vermutlich im 9. Jahrhundert eine Renaissance. Sie wurden aus Stahl geschmiedet. Das Flacheisen wurde auf dem Amboss geformt. Für eine Tonne Schmiedeeisen wurden etwa 6 Tonnen Holzkohle benötigt, die der Schmied selbst herstellte oder vom Köhler bezog.

Noch heute benutzt der Hufschmied die Nietklinge, um die Nägel an der äußeren Hufwand aufzunieten. Mit dem Rinnmesser wird weicheres Horn beschnitten. Nach der Entfernung der harten Hornteile mit Hauklinge und Holzschlegel wird das Hufeisen angepasst. Die Hufnägel besitzen einen rechteckigen Kopf und werden mittels Beschlaghammer eingetrieben.

 

Instrumentenbauer

Saiteninstrumente wurden von den Minnesängern gehandhabt und dienten der Unterhaltung am mittelalterlichen Hof.
Zupfinstrumente: Drehleier, Gitarre, Harfe, Laute, Mandoline, Zither.
Streichinstrumente: Contrabass, Fiedel, Viola, Violine, Violoncello.

Cembalo und Klavier gehörten ebenfalls zu den Saiteninstrumenten, aber die Saiten wurden mittels Tasten durch Hämmer angeschlagen. Bei den Blasinstrumenten erfolgt die Tonerzeugung durch Röhren, die aus Holz oder Metall bestehen: Cornett, Flöte, Horn, Pfeife, Orgel, Posaune, Schalmei, Trompete. Schlaginstrumente wie die Trommel begleiteten die Soldaten in den Krieg.

Die Handwerkskunst der Instrumentenbauer war hoch geschätzt. Seit dem 10. Jahrhundert waren Drehleier und Laute die beliebtesten Instrumente. Die Orgel kam 757 nach Deutschland und spielte in der Kirchenmusik eine bedeutende Rolle.

 

Kammacher

Auch Grämpelmacher, Grempelmacher, Kammenscherper, Kammenschmied, Kampelmacher, Strählmacher, Streler, Strelmacher.

Aus dem Horn, das vom Abdecker, Metzger oder Gerber bezogen wurde, fertigten sie mit Säge, Messer und Feile folgende Produkte: Schmuckkämme für Damen, Grämpel oder Strähle für Wollkämmer und Pulverhörner. Einfache Kämme wurden aus Holz und Horn hergestellt, Luxuskämme entstanden aus Elfenbein und Schildplatt.

Im 17. Jahrhundert wurden die Frisuren immer aufwändiger, und das heimische Horn entsprach nicht mehr den Qualitätsanforderungen. Die Kammacher importierten Ochsenhorn aus Brasilien, England, Russland und der Türkei. Sie verkauften ihre Ware in eigenen Läden, und Krämer boten Kämme auf Jahrmärkten an, und Hausierer sorgten für zusätzlichen Absatz, bis im 19. Jahrhundert das Horn erst durch billigeren Kautschuk und später durch das Celluloid verdrängt wurde, wobei Maschinenproduktion die handwerkliche Arbeit ersetzte.

 

Kaufleute und Krämer

Auch Däntler, Höker, Knapsack (Trödler, Hausierer), Drogist, Krudener, Materialist (Drogen- und Spezereihändler, Gewürzkrämer), Fragner (Krämer oder Kleinhändler), Kauwarz (Geldverleiher, Wucherer), Negociant (Unterhändler), Olitätenkrämer (Öl- und Arzneimittelhändler), Theriakhändler (Salben- und Balsamverkäufer) genannt.

Kaufleute Zunftwappen

Kaufleute Zunftwappen

Der Handel mit Gütern aller Art lag in den Händen von Kaufleuten, die sich seit dem 11. Jahrhundert zu gemeinsamen Fahrten (Hanse) und Gilden zusammenschlossen. Kaufleute saßen im Rat der Städte, kontrollierten den Handel, bestimmten maßgebend die Politik und genossen zahlreiche Vorrechte.

Im 13. Jahrhundert entstand die Hanse, eine Vereinigung Hamburger und Lübecker Kaufleute. Die Hanse entwickelte eine reiche Städtekultur, vereinigte die Länder an Nord- und Ostsee zu einem einheitlichen Wirtschaftsraum. Zu diesem Bund gehörten bis zu 80 deutsche Städte: Breslau, Danzig, Dortmund, Elbing, Göttingen, Hamburg, Hildesheim, Köln, Krakau, Reval und Riga. 1604 bestand die Hanse nur noch aus 14 Städten, und der dreißigjährige Krieg (1618-1648) brachte das Ende. Bremen, Lübeck und Hamburg schlossen 1630 einen engeren Bund und bewahrten die Traditionen der Hanse.

Zum Stand der Kaufmänner bzw. Krämer zählten auch Fuhrleute, Bestätter, Druckenlader (Spediteure trockener Handelsware), Frachter, Hauderer und Henzler (Lohnfuhrleute) und Karcher (Karrenfuhrmann) sowie alle möglichen Händler, Trödler und Hausierer.

Die Detaillisten (Kleinhändler) hatten im Gegensatz zu den Grossisten (Großkaufleute) keinen Anspruch auf die Bezeichnung Kaufmann und schlossen sich meist in zunftähnlichen Innungen zusammen. Der Beitritt war erst nach Durchlaufen einer Lehr- und Gesellenzeit möglich. Der Handel in den Städten war ausschließlich diesen Zunftmitgliedern vorbehalten. Hausierer, die ihre Waren auf Jahrmärkten anboten und durch das Land zogen, waren dagegen nicht organisiert.

Juden lebten in Deutschland seit dem frühen Mittelalter und gingen allen möglichen Berufen nach. Durch die Fürsten wurde ihnen Handelsfreiheit gewährt, und sie durften Grundbesitz erwerben. Im 12. Jahrhundert, zur Zeit der Kreuzzüge, stellte der Kaiser die Juden unter seinen Schutz, und verlangte dafür von ihnen immer höhere Abgaben. Diesen Schutzjuden wurden Ghettos (Wohnviertel) in den Städten zugewiesen. Ihre Freizügigkeit wurde begrenzt (sie waren vom städtischen Bürgerrecht, allen Ehrenämtern, Handwerken und Landbesitz ausgeschlossen), mit vielen Steuern belastet und durch sichtbare Abzeichen an der Kleidung immer wieder Verfolgung ausgesetzt. Auf Reisen waren sie nur sicher, wenn sie Schutzbriefe erkauft und Zölle entrichtet hatten. Seit dem 13. Jahrhundert blieb ihr Wirkungsbereich auf den Kleinhandel mit Vieh und Getreide sowie auf Geldwechsel und Geldverleih gegen Zins beschränkt.

 

Kerzenmacher

Auch Kerzengießer, Kerzenzieher, Lichtermacher, Lichterzieher, Wachszelter, Wachszieher.

Wachskerzen wurden in Klosterwerkstätten von Mönchen hergestellt. Später haben auch Küster Kerzen aus Bienenwachs angefertigt. Seit dem 12. Jahrhundert übernahmen Wachszelter (bürgerlicher Handwerker) diese Arbeit. Preiswerte Kerzen aus Talg für normale Haushalte wurden von Metzger und Seifensieder hergestellt.

Laternenmacher

Laternenmacher

Oft wurden Kerzen von Frauen in Lohnarbeit gefertigt. Die Ausbildung der Wachszelter dagegen dauerte 3 bis 4 Jahre und war mit hohem Lehrgeld verbunden. Im Anschluss folgte eine Wanderzeit von 2 bis 3 Jahren. Dann konnte der Geselle die Meisterprüfung ablegen.

Honig als Rohstoff des Wachszelters wurde in der Zeidlerei (Waldbienenzucht) vom Zedeleinnehmer eingesammelt oder war aus einheimischer Produktion des Imke’s reichlich vorhanden. Der Wachsbedarf konnte nur durch Importe aus Polen und Russland gedeckt werden.

Wachskerzen waren relativ teuer und fanden im kirchlichen Gebrauch und bei Hofe Verwendung, da sie ohne lästigen Qualm und mit angenehmem Geruch vebrannten. Modelle für aus Wachs gegossene Motive wurden vom Formschneider bezogen. Ein ausgeprägtes Talent erforderte das freihändige Modellieren von lebensechten Portraits. Auch fand Wachs in der Siegelherstellung Verwendung, wobei zur besseren Härtung Kreide, Ton, Harz oder Terpentinöl beigemischt wurde.

 

 

 

Koch und Köchin

Im Bürgerhaushalt des Mittelalters war die Hausfrau für das leibliche Wohl der Familie zuständig. In den Klöstern stand der Bruder Koch der Küche vor. Nur kirchliche und weltliche Fürsten konnten sich einen Koch, Küchenknechte und Mägde leisten. Auf Märkten versorgten Garköche die Besucher.

Gebraten und gekocht wurde auf dem offenen Feuer, auf dem Rost mit Spießen. Auch wurden eiserne Pfannen und Kessel benutzt.

Auf dem Speiseplan finden wir Haustiere, Geflügel und Wild (auch Bär, Biber, Dachs, Igel und Otter), viele Arten von Fisch, Eierspeisen und Pilze, Gemüsebrei, Obst, Käse und Honig. Dazu gab es Brot, Butter oder Schmalz. Salz und heimische Kräuter wurden zum Würzen benutzt. Als Getränke dienten vor allem Bier, Branntwein, Met und Wein.

Auf der Tafel fanden nur Messer Verwendung, gegessen wurde mit den Fingern. Löffel und Gabel kamen erst im 16. Jahrhundert in Gebrauch. Gemüse wurde als Mus bereitet und wie Suppen oder Saucen mit Brot oder Fladen aufgetunkt. Der Fürschneider tranchierte Fleisch (Geflügel, Ochsen, Schwein, Wild) portionsgerecht für den Teller. Mundschenk und Kellermeister waren für die Getränke zuständig. Ein herrschaftliches Menü bestand aus bis zu 20 Gängen.

 

Kupferschmied

Auch Gelbschmied, Kesselschmied, Kessler, Messingschmied, Rotschmied, Werkstätter.

Lange bevor Eisen verarbeitet wurde, haben die Menschen Gegenstände aus Kupfer hergestellt. Durch die Zugabe von Zinn legierte Kupfer zu Bronze, durch die Beimengung von Zinkspat wurde das weiche Material gehärtet. Der Schmied bezog seine Rohprodukte als Bleche, Platten, Scheiben und Tafeln von größeren Hammerkupferschmieden.

Zu seiner Produktpalette gehörten viele kleine Haushaltsgeräte: Backformen, Becher, Becken, Flaschen, Gießkannen, Kannen, Knöpfe, Lampen, Leuchter, Pfannen, Töpfe, Trichter, Siebe, Waschbecken und Wasserbehälter. Da auch Turmspitzen und Wasserspeier sowie Dachrinnen und Verkleidungen aus Kupferblech angefertigt wurden, standen sie in Konkurrenz zu den Klempnern und Dackdeckern.

Auf einem Amboss wurde das Blech mit dem Holz- oder Eisenhammer kalt geschlagen, gedengelt und getrieben. Die Einzelteile wurde durch Nieten, Falzen oder Löten zusammengefügt und zur Verschönerung poliert. Einige Produkte wurden verzinnt, um die Bildung von Grünspan zu verhindern.

Eine Lehrzeit von 2 bis 3 Jahren war vorgeschrieben, es war eine Wanderzeit von 3 bis 4 Jahren nachzuweisen. Nach weiteren 3 Jahren Arbeit in 1 oder 2 Werkstätten konnte die Meisterprüfung abgelegt werden, wobei meist 3 unterschiedliche Gefäße gefordert wurden.

 

Maurer

Alle am Bau der Kirchen beteiligten Handwerker waren in mittelalterlichen Bauhütten vereinigt, bis die Entwicklung von Spezialberufen einsetzte: Baumeister, Steinmetz und Zimmerleute. Im 14. Jahrhundert trennten sich Maurer und Steinmetze. In den Städten setzte sich mehr und mehr der Bau von Bürgerhäusern aus Hausteinen durch. In den Küstengebieten kam der Einsatz der Ziegler in Gebrauch.

Maurer

Maurer

Ursprünglich wurde nur das Erdgeschoss, später auch die erste Etage aus Stein gemauert. Die oberen Stockwerke wurden als Fachwerk von Zimmerleuten errichtet. Einst gehörten auch Dachdecken und Tünchen zu den Aufgaben des Maurers, bis Dachdecker und Maler selbständige Zünfte bildeten. Anspruchsvolle Gipsarbeiten wurden seit dem 17. Jahrhundert von Stukkateuren, vor allem aus Italien und Tirol, ausgeführt.

Von Dezember bis Januar gab es kaum Arbeit und Lohn, in den Monaten Februar, März, Oktober und November mässige Aufträge und Einkommen. Die meiste Arbeit und vollen Lohn gab es von April bis Oktober. Im Sommer begann die Arbeit um 4 Uhr morgens und endete abends gegen 18 Uhr. Die Meister hatten mehrere Lehrlinge, Gesellen und zahlreiche Hilfskräfte als Tagelöhner oder Handlanger: Kalklöscher, Mörtelrührer, Sandschipper, Steinschlepper, Wasserträger, Windeknechte. Die Lehrlinge wohnten im Gegensatz zu anderen Handwerken nicht bei ihrem Meister, wegen der großen Zahl von Beschäftigten musste anderweitig eine Unterkunft gesucht werden. Von den Zünften wurden Beschränkungen erlassen, und so blieb das Meisterrecht meist den Meistersöhnen vorbehalten.

 

 

 

Metzger

Auch Fleischer, Fleischhacker, Fleischhauer, Knochenhauer, Metzeler, Schlachter, Wurstler.

Anfangs betrug die Lehrzeit 2 bis 3 Jahre, wurde später auf 4 bis 5 Jahre verlängert. Die Wanderzeit für Gesellen entfiel, da sich der Nachwuchs nur noch aus den Reihen der Meistersöhne rekrutierte. Als Meisterstück musste ein Kalb, Rind, Schaf oder Schwein geschlachtet und fachgerecht zerlegt werden. Der Geselle musste das Fleisch auf seinen Zustand prüfen und das Gewicht richtig einschätzen.

Das Schlachtvieh wurde beim Bauer in der Nähe oder auf städtischen Viehmärkten gekauft. Bereits im 14. Jahrhundert war in manchen Regionen die Nachfrage größer als das Angebot, und so wurde in Dänemark und Osteuropa Fleisch zugekauft. Die auf den langen Wegen erschöpften Tiere wurden vor der Stadt auf zunfteigenen Weideflächen wieder aufgemästet, und erst dann geschlachtet. Später übernahmen die Viehhändler den Transport und Verkauf der Tiere. Manche Aufgaben im Schlachthaus wurden von Spezialisten übernommen: Füßler, Kütter und Wämsler. Zum Wurstmachen wurden auch Frauen herangezogen.

Die Tierhäute wurden an benachbarte Gerber, die Hörner an Kammacher und Knopfmacher verkauft. Talg wurde an die Seifensieder zur Kerzenherstellung geliefert. Beim Schlachten von Ochsen entfiel etwa 25 % des Erlöses auf den Verkauf von Häuten, Horn, Innereien und Talg.

Neben den frischen Fleisch- und Wurstwaren wurde auch mit gepökeltem oder geräuchertem Speck und Dörrfleisch sowie mit Kerzen aus eigener Produktion gehandelt.

 

Müller

Auch Müllner.

Kleine Hand- und Tretmühlen wurden durch menschliche Kraft mittels Kurbel oder Tretrad angetrieben. Tiermühlen oder Göpel wurden durch Esel, Ochsen oder Pferde in Gang gehalten. Bei den Wassermühlen unterschied man in oberschlächtige und unterschlächtige, je nach Zuführung des Wasser: Von oben auf das Mühlrad, oder von unten durch die Fließkraft. Zu dieser Gruppe gehörten auch die Schiffsmühlen, die im Fluß verankert werden konnten. Im Norden und Westen Europas kamen im 12. Jahrhundert Windmühlen auf. Bei diesen wurde entweder das ganze Mühlengehäuse (Bockwindmühle) oder nur das Dach mit den Flügeln (Holländermühle) in den Wind gedreht.

Immer wurde das Korn auf einer Bodenplatte durch einen Reibstein gemahlen. Beide Steine sind mit Furchen versehen, wodurch die Körner vermahlen und nach aussen transportiert werden. Beim Sieben und Sichten werden Mehl und Kleie getrennt. Feineres Mehl wird durch mehrmaliges Mahlen erzielt. Landes- und Grundherren entschieden im Mittelalter über Mühlenbauten. Die Müller wurden meist in Erbpacht eingesetzt. Bis zur Aufhebung des Mühlenzwanges waren die Bauern verpflichtet, ihr Korn in den Bannmühlen der Umgebung mahlen zu lassen. Die Abgaben wurden in Form von Mehl an den Eigentümer und Müller entrichtet.

Die Ausbildung dauerte seit dem 13. Jahrhundert 2 bis 3 Jahre. Die Gesellenzeit mit Wanderzwang war ebenso lang. Wegen der Begrenzung der Mühlenzahl übernahmen meist Meistersöhne die Mühle. Manche Gesellen blieben ein Leben lang Knecht. Seine Aufgabe als erster Knappe (Bescheider) bestand darin, das gehende Zeug in Ordnung zu halten, und das Mahlgut ordnungsgemäss anzunehmen und auszugeben.

Es war Aufgabe des Müllers, die Mühle sauber und gangbar zu halten, Mühlsteine nachzuschärfen und nötige Reparaturen auszuführen. Das erforderte technische Kenntnisse, und handwerkliche Fähigkeiten als Zimmermann. Auch war es dem Müller gestattet, Schweine mit der anfallenden Kleie zu mästen.

 

Münzer

Auch Münzmeister, Wardein.

Kaisern und Königen stand das Recht zu, Geldmünzen zu prägen. Die Münzen wurden aus legiertem Gold, Silber, Kupfer oder einer Münzlegierung gefertigt.Das Rohmaterial wurde in Barren angeliefert. Beim Schmelzen wurde die vorgeschriebene Legierung hergestellt, in Platten gegossen und ausgewalzt. Die Münzen wurden mit dem Prägestempel ausgeschlagen, und durch Feilen auf das festgelegte Gewicht gebracht. So entstanden Gulden (Florin) und Taler, Albus und Kreuzer, Heller und Batzen, Groschen und Pfennige.

 

Musikanten

Auch Aufspieler, Spielleute.

Musikanten unterhielten die Gäste des Hofes oder zogen umher. Seit dem 15. Jahrhundert entstanden in vielen Städten Gilden der Stadtpfeifer oder Kunstpfeiffer. Sie allein hatten das Privileg der Obrigkeit, bei öffentlichen Festen, Hochzeiten und Taufen aufspielen zu dürfen. Jeder Interessent, der Gildenmitglied werden wollte, musste sich vom Stadtmusikus als Lehrling aufdingen und nach der Lehrzeit ordentlich lossprechen lassen.